Wie verändert Legal Tech die Rechtsbranche?

07.07.2022 / Walter Marc, Berweger Martin

Legal Tech ist eines der grossen Themen unserer Branche. Wenger Vieli hat diesen Trend schon früh adaptiert und sieht darin grosse Chancen bei der Weiterentwicklung der Rechtsdienstleis- tungen in herausragender Qualität.

Als die Kanzlei Wenger Vieli gegründet wurde, waren die wichtigsten technischen Hilfsmittel die Schreibmaschine, das Diktiergerät und das Telefon. In nur 50 Jahren hat sich dies fundamental geändert. Schreibmaschinen und Diktiergeräte sind fast gänzlich verschwunden, und sogar das Telefon wird zunehmend durch Videokonferenzen verdrängt.

Das heute wichtigste Hilfsmittel der Anwältin und des Anwalts ist der Computer mit Internetzugang: Rechtliche Abklärungen erfolgen durch Eingabe von Suchbegriffen in Online-Datenbanken, welche die Ergebnisse nach ihrer Relevanz sortieren. Die sich immer schneller und häufig ändernden Gesetzestexte werden online abgerufen, damit garantiert die aktuelle Fassung konsultiert wird. Anwaltsschreiben, Rechtsschriften und Memoranden werden auf dem Computer verfasst, oft elektronisch übermittelt und vermehrt auch elektronisch unterzeichnet. Das physische Klientendossier wurde durch das elektronische ersetzt, das in der Cloud gespeichert ist und den Zugriff von überall auf der Welt gestattet.

Dies sind nur einige der Beispiele, wie Legal Tech den Alltag des Anwalts umgekrempelt hat. Die Informationstechnologie ist aus dem Anwaltsberuf nicht mehr wegzudenken. Sie hat die juristischen Arbeitsprozesse transformiert, neue Geschäftsmodelle geschaffen und das Anforderungsprofil von Juristinnen und Juristen verändert.

Doch steht diese Entwicklung erst am Anfang. Dank der Digitalisierung werden juristische Arbeitsleistungen in Zukunft noch viel effizienter und in besserer Qualität erbracht werden können. Denn schneller und sorgfältiger, als es der Mensch kann, wird Software rechtliche Dokumente prüfen, Verträge generieren und juristische Fragen klären. Bereits heute kommen zunehmend automatisierte Rechtsdienstleistungen auf, bei denen Juristinnen und Juristen gar nicht mehr mitwirken. Ein Beispiel davon sind die Blockchainbasierten Smart Contracts, die Verträge in maschinenlesbarer Form abbilden und selbstständig ausführen können. Weil sich die digitale Transformation exponentiell entwickelt, werden die digitalen Veränderungen in Zukunft (noch) schneller und grundlegender erfolgen als in der Vergangenheit. Daran anknüpfend kommt die Frage auf, welche Entwicklungen wohl die nächsten 50 Jahre prägen werden.

Legal Tech als Chance

Werden Anwälte und Steuerexpertinnen noch gebraucht, wenn Software dank künstlicher Intelligenz juristische Texte besser verstehen, prüfen und erstellen kann? Droht der juristische Berater, die juristische Beraterin von Informatikern und Maschinen ersetzt zu werden? Und welche Auswirkungen zeitigen sich dadurch für das Rechts­ system generell? Diesen Fragen auszuweichen, wäre ebenso fatal, wie wenn eine Anwältin oder ein Anwalt bei den Abklärungen nur die Rechtsprechung vor dem Jahr 2000 berücksichtigen würde, die ihm oder ihr in gedruckter Form vorliegt.

Legal Tech kann bedrohlich wirken, aber sie ist – richtig genutzt – noch viel mehr eine Chance. Legal Tech wird viele alltägliche Routinearbeiten ersetzen. Dadurch erlaubt Legal Tech den Juristinnen und Juristen, sich auf die komplexen und spannenden Tätigkeiten zu fokussieren. Gleichwohl wird der persönliche Kontakt auch in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen. Im Recht gibt es selten eine objektiv beste Lösung, sondern verschiedene Varianten mit Vor- und Nachteilen, die mehr oder weniger gut zu den individuellen Anliegen der Mandanten passen. Entsprechend wird das Bedürfnis nach persönlicher Rechtsberatung und massgeschneiderten Lösungen auch mit fortschreitender Digitalisierung bestehen bleiben.

International betrachtet sind die USA derzeit führend im Bereich Legal Tech,  weshalb sich auch ein Blick nach Übersee lohnt. Die Schweiz bewegt sich bei den Industriestaaten im Mittelfeld. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Rechtsordnungen von Staat zu Staat unterscheiden und sich viele Anbieter auf die grossen und englischsprachigen Märkte fokussieren. Führend ist die Schweiz im Bereich Blockchain, wo sie mit dem Crypto Valley gar eine weltweite Vorreiterrolle einnehmen kann und mit Innovation punktet, mit gut ausgebildeten Spezialistinnen und Spezialisten, einem Cluster mit vielversprechenden Blockchain-Projekten, Kapital für Jungunternehmen, hoher Rechtssicherheit, Neutralität und attraktiven Steuern. Diese Standortvorteile könnte die Schweiz bei der Digitalisierung von Rechtsdienstleistungen in Zukunft allgemein noch stärker ausspielen.

Neueste Legal-Tech-Projekte

Wenger Vieli gewinnt im Bereich Legal Tech wertvolle Impulse nicht zuletzt dank der starken Positionierung, die unsere Kanzlei bei Start-ups im Digitalisierungsbereich geniesst. Wir verwenden Software und Tools für die Erbringung von Rechtsdienstleistungen. Wir führen die Klientendossiers digital, nutzen Cloud-Services und Online-Datenbanken, stellen auf Internettelefonie um, halten Videokonferenzen ab, unterzeichnen Verträge mit qualifizierten elektronischen Signaturen und verfügen inhouse über eine Informatikabteilung.

Darüber hinaus bietet unsere Kanzlei den «Digital Lawyer» an, mit dem kostenlos professionelle Vertragsvorlagen heruntergeladen und über eine Schnittstelle zum Handelsregister Dokumente für Personalmutationen einfach, sicher und schnell generiert werden können. Zudem nutzen wir im Rahmen von Unternehmenskäufen fallbezogen Legal-Tech-Applikationen bei der Due-Diligence-Prüfung. Zusammen mit unserem Partner Leva lancieren wir derzeit eine Plattform, die Start-ups und Investoren bei Finanzierungsrunden das Aushandeln der Verträge, das automatische Erstellen der Dokumentation und das Durchführen der Kapitalerhöhung ermöglicht.

Dank dieser Legal-Tech-Anwendungen können wir die Rechtsdienstleistungen zu attraktiven Konditionen anbieten, neue Mandanten ansprechen, eine hohe Qualität gewährleisten und unsere Marktposition stärken.

Für die Zukunft gerüstet

Die Digitalisierung hat den Alltag in unserer Kanzlei massgeblich verändert. Doch stehen wir erst am Anfang von Legal Tech, welche die Rechtsdienstleistungen noch viel tiefgreifender transformieren wird. Diesen Trend nutzen wir, um unsere Dienstleistungen effizienter und in noch höherer Qualität erbringen zu können. Sowohl bei den internen Prozessen wie auch beim externen Angebot hat Wenger Vieli bereits wertvolle Legal-Tech-Anwendungen implementiert. Als innovative Kanzlei werden wir den Legal-Tech-Trend weiterhin eng beobachten, bestehende Angebote evaluieren und integrieren sowie neue digitale Angebote schaffen. Wir positionieren uns dadurch als Kanzlei, die Legal Tech als Chance nutzt, um für die nächsten 50 Jahre bestens gerüstet zu sein.

 

 

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Disclaimer

Die in diesem Schreiben enthaltenen Informationen dienen allgemeinen Informationszwecken und stellen keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

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